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Thimo v. Colditz war der erste Besitzer des Ritterguts Thammenhain. Als er die Herrschaft Eilenburg in mehreren Schirtten von den Herren v. Eilenburg erwarb, fiel im Jahr 1378 zusammen mit dem Mittelschloss Eilenburg auch "Thammenhain". Doch schon 1395 endete diese Zeit. Denn die Herren v. Colditz gaben die Herrschaft Eilenburg wieder auf; sie verkauften sie an den Markgrafen Wilhelm I v. Meißen, den für die Landesgeschichte überaus wichtigen Wilhelm den Einäugigen. Dieser erwarb nämlich auch den nördlichen Teil von Thammenhain, während der Rittersitz und das Unterdorf den Bischöfen von Meißen verblieb. An wen die beiden Teile von Thammenhain damals als Lehen vergeben waren, bleibt zu erforschen. Eine Spur führt zu Johannes v. Saalhausen, geboren am 5. November 1444 in Thammenhain. Ob sein Vater mit Thammenhain belehnt war, weiß man freilich nicht. Die Brüder Dietrich und Hans v. Körbitz hatte der Kurfürst am 6. Dezember 1462 mit dem Dorf Thammenhain, dem Kirchlehn, dem Sattelhof, dem Vorwerk, der oberen und der niederen Gerichtsbarkeit belehnt, und zwar als Nachfolger ihres Vaters. Die Zeit der Familie v. Körbitz, beaknnt aus der Dohnaischen Fehde, beginnt jedenfalls schon 1445. Lehnbriefe spätere Zeiten zeigen, dass Ober-Thammenhain mit der Dorfkirche, das sog. Oberdorf, ein Lehen des Kurfürstentums Sachsen war, während Nieder-Thammenhain, wo heute das Schloss steht und die 1949 abgerissene Untere, Guts-, Hof- oder auch Schlosskirche stand, ein Lehen des Bistums Meißen war, das zum sog. Wurzener Land gehörte. Die gotischen Rippen-Sterngewölbe im heutigen Schloss datiert Gurlitt auf etwa 1480; damals war der Rittersitz eine Wasserburg, die die Herren v. Körbitz errichtet haben. Fundamente sprechen dafür, dass es dort eine etwas kleinere Burg stand. Nach den v. Körbitz waren die Familien v. Breitungen (1495 - 1504/1519), v. Stentzsch (1504-/1519 - 1522), v. Lindenau (1522 – 1612); v. Loss (1611 - 1614), v. Brederlohe (1614 - 1622) und v. Freywald (1622 - 1666) Besitzer des Ritterguts. 1666 erwarb Joachim Loth v. Schönberg auf Gelenau im Erzgebirge, aus dem Stollberger Zweig, das Rittergut Thammenhain und wurde mit den beiden Teilen belehnt. Sein Sohn Hanns Dietrich (1659 -  1727) baute die Hof- oder Untere Kirche wieder auf. Den eigentlichen Vorgängerbau, hatte 1624, als Sachsen noch im Frieden lebte, Donat v. Freywald gestiftet. Die erste Hofkirche hatte Hanns v. Lindenau 1568 bauen lassen, sie riss Nivol v. Loss wieder ab. Das barocke freundliche Kirchlein, 1850 mit einer Gruft ausgestattet und 1877 mit einer Abschlusswand zum Gutshof ausgestattet, wurde 1949 als "feudalistisches Relikt" abgerissen. Die mittlere Glocke läutet heute in Olbernhau; die Türbalken mit den Initialen der Stifter Hanns Dietrich und Anna Dorothea v. Schönberg, der Schönberg`sche Löwe und die Widmung „Deo et Proximo“ befinden sich im Kulturgeschichtlichen Museum in Wurzen.

Aus der Zeit von Friedrich Gotthelf a. d. H. Bieberstein stammte eine Orangerie (1735) und der Barockgarten (1738). Er ließ auch den Laubengang anlegen. 1788 übernahm Caspar Heinrich Dam (1741- 1789) a. d. H. Pfaffroda den Besitz. Er oder seine Witwe Susanne Regine v. Pfister (1766 - 1812) ließen die Wallgräben auffüllen und gestalteten den Park um. Zum Ensemble gehörte die 1849 von August Kaspar Ferdinand Dam errichtete Brauerei, die später als Brennerei diente. Seine Witwe Elise, geb. Freiin von Pfister, erhöhte das Haus um ein zweites Stockwerk. Bauherr des stattlichen Freiherr von Schönberg-Hauses (1877) war Georg Caspar Ferdinand Dam (1824 - 1880). 

1890/91 ließ Caspar Adolf Ferdinand Dam Frhr. v. Schönberg (1864 - 1927) das Herrenhaus durch den Architekten Adolf Leyn aus Hannover umbauen. Große Teile des alten Dachs blieben erhalten. Die vier „Renaissance-“Giebel, der im Süden vorgesetzten Turm mit seiner barocken Haube und die weite Südterrasse gaben dem Ganzen sein unverkennbar eigenes Gesicht. Im Innern beeindrucken die durch zwei Stockwerke gehende gewaltige Eingangshalle und der in Eiche getäfelte Festsaal (Fa. Franz Schneider, Leipzig) mit der begehbaren Ahnen - Galerie, den Kronleuchtern aus der Wurzener Bronzefabrik und dem Kamin. Die Turmhaube des Schlosses überragte den Turm der Hofkirche bei weitem. Kurz nach 1900 erhielt das Nebengebäude, das alte Lehngericht, eine neue belle étage und ein neues Dach. Es war mit dem 2 Schloss durch einen Übergang verbunden und schloss sich nach Osten an die südlichen langgestreckten barocken Hofgebäude an.

Die abgerissene Hofkirche, nordöstlich des Schlosses, war das Herzstück des Ensembles. Sie schlug nach Osten den Bogen zum stattlichen Rittergutsgebäude und den Hofgebäuden mit seinen Ochsenaugen. Zwischen den nördlichen und den südlichen Hof- und Wirtschaftsgebäuden stand eine gewaltige Scheune, wie ein gewaltiger Dreiseitenhof. Im Westen blickten das 1923 restaurierte Kutschergebäude und die ehemals festliche Orangerie zum Schlossteich. Im Norden verband die Lindenallee den Schlossteich, den Wiesenteich, die Brennerei und den Tränkteich mit Schloss und Gut zu einer wohlgefügten Architektur - Landschaft zusammen. Dieser Einheit fehlen heute die Hofkirche, die alte Haube des Schlossturms, die Dachgauben von Schloss und Nebengebäude sowie fast alle Ochsenaugen, im Osten große eile des alten Parks und die Apfelalleen, die zum sog. Wildpark im Osten führten. Dort, rd. 500 vom eigentlichen Park entfernt, war seit 1913 eine Familiengrabstätte, die 1951 samt der Grabkapelle wie schon die Hofkirche ein Opfer der Bodenreform wurde.

Durch starke bauliche Veränderungen wirken Orangerie, Kutscherund Hofgebäude heute wie abgewandt. Geblieben ist das alte Lehngericht, zwischen ihm und Schloss steht statt des sog. Übergangs seit 1979/80 der Kapellenbau. Schmerzliche Lücken und Verfremdungen! Doch noch immer besticht die Gesamtanlage durch die Südterrasse, die den großen holzgetäfelten Festsaal nach Süden hin öffnet – hin zum weiträumigen Schlosspark. Dieser besticht durch seinen Ginkgo, den vielen Rhododendrons, dem geheimnisvollen Laubengang, den alten Linden, der gewaltigen Blutbuche, der Pyramideneiche, den vielen, uralten Stieleichen, den beiden Gelbkiefern, den vielen Rot- und Hainbuchen, Ulmen, Eschen und Erlen. Glanz gewinnt das Ganze winters wie sommers durch die spiegelnden Flächen des prächtigen Schlossteichs und einer rd. 200 Jahren alten Stieleiche geprägten Insel. Vermutlich hat Joachim Loth nach dem Erwerb des Ritterguts einige der Stieleichen pflanzen lassen. Dann wären die zwei Stieleichen am Nordufer des Schlossreichs bald 350 Jahre alt. Die alten Wege, auf denen der Besucher sich alles erschließen und genießen soll, beginnen wieder zu leben. Der Blick geht wieder zu den südlichen Wiesen oder hinüber zu den Hohburger Bergen. Die Grabsteine, - kreuze und - platten der Familie, der ehemaligen Besitzer Karl Friedrich und Rena v. Schönberg, ihres ältesten Sohnes und der Brüder Dr. Adolf und Christian v. Schönberg wurden 2003 im Südosten des Parks aufgestellt – für Betrachter ein Ort der Ruhe und des stillen Glücks.

Die nach Thammenhain heimgekehrte Familie betreibt in Thammenhain auf alten, angestammten Grund wieder Land- und Forstwirtschaft. Spaziergänger sind im Park herzlich willkomen; doch geschieht das Betreten auf eigene Gefahr.

Das Schloss mit seinen herrlichen Gesellschaftsräumen und Ferienwohnungen und -häusern freut sich über Gäste. Auch locken Konzerte, Lesungen, Vorträge und die regelmäßigen Ökumenischen Gespräche zum Besuch.

 

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Die Familie von Schönberg
Die Schönbergs haben eine außergewöhnliche Geschichte vorzuweisen.

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